v.l. OWK-Vorsitzender Karl Ohlemüller, Hauptnaturschutzwart Manfrd Hechler, Dipl. Meteorologe Dr. Werner Horst
Warte und Wanderer übers Wetter
Eppertshausen - Seit einem Jahrzehnt ist es eine gute Tradition, dass einmal im Jahr die Naturschutzwarte des überregionalen Wanderverbandes Odenwaldklub im Eppertshäuser Haus der Vereine zusammenkommen, um sich dort über ein jährlich wechselndes Fachgebiet zu informieren. Von Jasmin Frank
„In diesem Jahr haben wir uns für Wetter und Klima entschieden, denn das ist sowohl für Naturschützer als auch für Wanderer stets sehr interessant“, informierte Manfred Hechler, Hauptnaturschutzwart des Odenwaldklubs.
Über 60 Teilnehmer, auch aus befreundeten Wander- und Naturschutzverbänden, waren deshalb nach Eppertshausen gekommen, um sich über das aktuell viel diskutierte Thema auf den neusten Stand zu bringen, darunter auch der Vereinsvorsitzende Karl Ohlemüller. Als Spezialist war Diplom-Meteorologe Dr. Werner Horst eingeladen worden, der in seinem zweigeteilten Vortrag zunächst auf das Wetter einging, um dann auch die Klimaforschung zu beleuchten. „Beim Wetter betrachten wir die kurzfristigen Geschehnisse in der Atmosphäre; an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit. Wie weit die Wetterforschung eine Wettervorhersage treffen kann, bestimmen unsere Möglichkeiten, diese zu messen. Wetterelemente wie Luftdruck, Wolken, Wind, Sicht, Niederschlag, Gewitter und vieles mehr bestimmen die Vorhersagen“, informierte der Fachmann, der darauf hinwies, dass einzelne Wetterereignisse wie Orkane für sich alleine genommen keine Anzeichen eines Klimawandels darstellten, sondern dass man diese in Verbindung mit weiteren Ereignissen bringen müsse, um konkrete Angaben über die Entwicklung des Klimas machen zu können.
Auch ganz praktische Tipps hatte der Fachmann für die Naturschutzwarte parat und ging deshalb auch auf das von den Gästen gerne gehörte Thema der Bauernregeln ein. „Wetterbeobachtung wurde erst wichtig, als die Menschen sesshaft wurden. Von den alten Babyloniern ist uns eine ursprüngliche Regel erhalten geblieben, die heute noch Geltung hat: Wenn die Wolke dunkel ist, droht Regen“, schmunzelte Horst.
So einfach diese Formel sein mag, sie spricht doch für ein Phänomen aller Regeln die aus Sonnen-, Himmels- oder Tierbeobachtung resultieren: Wenn überhaupt, sind über sie nur kurzfristige Vorhersagen möglich. „Dass viele Eicheln einen harten Winter bringen, ist auf jeden Fall Unsinn, denn der Ertrag von Pflanzen orientiert sich stets am vergangenen Jahr und nicht am kommenden“, stellte der Meteorologe klar. Allerdings sei festgestellt worden, dass Tiere wie beispielsweise Pferde Gewitter wohl früher kommen hören als Menschen und dann mit Unruhe reagieren. „Auch ein sogenannter gut sichtbarer Hof um die Sonne herum ist ein gut erkennbares Zeichen, denn dann ist die Regenwahrscheinlichkeit besonders hoch“, so Horst.
Nach der Theorie und einer Mittagspause hieß es dann für die Teilnehmer, das Wissen praktisch zu unterfüttern, denn am Nachmittag ging es mit dem Bus in den Offenbacher Wetterpark, wo mit einer Führung weitere Kenntnisse erworben werden konnten. Die Teilnehmer der informativen Veranstaltung waren sich über deren Gehalt alle einig: Gerade Wanderfreunde, die im Naturschutz aktiv sind, konnten sich hier gut weiterbilden.
Aus Offenbach Post vom 24.05.2011
Einführung in das Jahresthema 2011: „Wetter und Klima“
Das Klima wandelt sich – und die Natur?
Beginnen wir mit einem kleinen Beispiel:
Was hat die Honigbiene mit dem Klimawandel zu tun?
Was soll diese Frage, wie sind die Zusammenhänge?
Auf den ersten Blick ist der Zusammenhang nicht ersichtlich. Dabei geht es hier um das zentrale Thema:
„Die Ernährung der Menschheit“
Die Honigbiene ist für unsere Ernährung wichtig und sie ist bedroht. Wenn ein belastbarer und robuster Organismus wie die Honigbiene anfängt Probleme zu bekommen, ist es Zeit etwas zu tun. Von dem System „Biene – Blütepflanze“
hängt die Sicherung der Ernährung des Menschen ab. Dabei geht es nicht um den Honig. Bienen sorgen für Biodiversität und bestäuben weltweit 170.000 Arten von Blütenpflanzen. Auf den Punkt gebracht: Etwa ein Drittel der Lebensmittel hängen direkt von der Honigbiene ab und für die gibt es kein Ersatz.
Wir wollen anhand von einem Beispiel aufzeigen, dass mit Mitteln, die gar nicht teuer sind, viel erreicht werden kann. Ein Landwirt mäht die Wegeränder seltener und lässt die Blumen länger stehen. Eine kleine Maßnahme, die in der breiten Anwendung viel bringt. Der zweite wichtige Erfolgsfaktor ist die Aufklärung und die Information.
Wir setzen uns dafür ein, dass die Bevölkerung verstärkt Zugang zu Klimawissen und Klimaschutzkomponenten erhalten. Um daraus Motivation zum Handeln und für einen nachhaltigen Lebensstil zu ziehen.
Haben wir doch in den beiden letzten Jahren mit den Schwerpunktthemen „Wasser und Wald“, die wichtigsten Indikatoren beleuchtet, wollen wir heute nach Auslösern der Veränderungen des Klimas Ausschau halten.
Das Klima der Erde wird bestimmt durch die Wechselwirkung zwischen Land, Meer und Atmosphäre – dem Klimasystem. Viele Einflüsse auf das System sind natürlich, doch auch menschliche Aktivitäten, wie die Nutzung fossiler Brennstoffe, verändern es.
Die Sonneneinstrahlung ist der wichtigste natürliche Klimafaktor. Als wichtigster menschlicher Faktor wird die Konzentration von Treibhausgasen gesehen. Deren Abbau findet hauptsächlich in den Meeren und den Wäldern statt. Die Natur reagiert bereits auf den Klimawandel. Die Veränderungen des Wetters erkennen wir an den Klimaparametern: „Temperatur, Regenmenge, Vegetationszeit“ die sich über längere Zeiträume messen lassen. So ist seit 1950 die Vegetationsperiode, das ist die Zeit vom Austreiben einer Pflanze bis zum Laubfall, in Deutschland um 10 Tage länger geworden. Auch bei Tieren zeigt sich die Entwicklung: Zugvögel kommen früher ins Land. Wahrscheinlich wird sich dieser Trend in Zukunft noch verschärfen und den Naturschutz vor neue Probleme stellen.
Um die unterschiedlichen Ausprägungen des derzeitigen Klimas besser zu verstehen, wagen wir einen Blick in die Klimazukunft und die damit verbundenen Auswirkungen.
Wir als Wanderer erleben das Klima in seiner Vielfalt und seinen Wechselwirkungen mit der Natur und dem Mensch. Deshalb können wir, wenn wir genau hinschauen und ein bisschen um die Ecke denken, klimabedingte Erscheinungen in Natur und der Landschaft erkennen.
Wir schärfen dem Wanderer das Auge und machen das Klima und seine Auswirkungen erlebbar.
In diesem Sinn sind Sie eingeladen an den Veranstaltungen des Arbeitskreises Naturschutz teilzunehmen.
Themen und Projekte
Wald im Spannungsfeld der Interessen
Zurzeit findet in Kopenhagen die Weltklimakonferenz statt. Eine Situation die Probleme aufzeigt, wie Politiker, Beamte und Umweltschützer sich streiten, wie und was getan werden muß, um die Welt zu retten. Zur gleichen Zeit machen sich die Wander- und Naturschutzfreunde vom Arbeitskreis Naturschutz beim Odenwaldklub Gedanken über die Zukunft des Waldes.
Die Veränderung des Waldes durch den Klimawandel!
Der Wald erfüllt zwei wichtige Klimafunktionen. als größter Kohlenstoffspeicher bindet er das gefährliche Kohlendioxid (CO2) unsere Wälder sind riesige Klimaanlagen in deren Kronen der kühlende Effekt durch Umwandlung von Sonnenenergie in Wasserdampf entsteht.
Was passiert, wenn sich unser Klima weiter erwärmt?
Unsere Bäume sind über hunderte von Jahren an die Standorte angepaßt. Die Ökosysteme entstanden im Laufe der Jahrtausende. Sollte sich unser Klima im Jahresmittel um zwei Grad erwärmen, verschieben sich die Vegetationszonen um ca. 400 km nach Norden bzw. um bis zu 360 Höhenmeter nach oben. Am Beispiel der Fichte ist zu erkennen, daß durch die Veränderung des Klimas diese Baumart für unsere Heimat als ungeeignet angesehen wird, weil häufigere Stürme und Borkenkäferbefall dem flachwurzelnden Baum zuviel zusetzen. Durch unser Verhalten, insbesondere beim Verbrennen fossiler Energieträger, tragen wir alle zum Klimawandel bei. Anpassungsmaßnahmen müssen weltweit umgesetzt werden um erfolgreich die Veränderungen in Grenzen zu halten.
Gesunde Wälder sind unverzichtbar beim verbessern des Klimas.
Sie regulieren Luft- und Wasserqualität, sie schützen den Boden vor Austrocknung und Erosion, sie liefern Rohstoff und Energie, sie sind Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen.
Der Wald dient dem Menschen bei seiner Gesundheitserhaltung als Ruhe- und Erholungsraum. Der Wald ist in unserem Ballungsraum unersetzlich. Jeder kann beim Wandern, Joggen oder Radfahren im Wald seinen Bedarf an Ausgleich, vom Sport bis zum Genuß der Stille, umsetzen. Dabei sollte der Erholungssuchende sich daran halten, auf den Wegen zu bleiben, die Tiere des Waldes nicht zu stören und empfindliche Standorte nicht zu betreten.
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Thema des Jahres 2009 - "Wasser"
Gewässerschutz als Aufgabe des Verbandes
Arbeitskreis Naturschutz wählt „Wasser“ zum Thema des Jahres
Mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) trat neben der FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie ein weiteres Instrument in Kraft, an das die Naturschutzverbände viele Hoffnungen für den Natur- und Artenschutz in Europa knüpfen. Die WRRL birgt die große Chance zur ökologischen Verbesserung und Erhaltung der Gewässer in Deutschland und der EU. Diese Chance muss von der Wasserpolitik und den Naturschutzverbänden wahrgenommen werden.
Das gewaltige Arbeitspensum der WRRL kann nicht von einem ehrenamtlichen Verband allen bewältigt werden. Nur eine Bündelung des Know-Hows durch Kooperation und Kommunikation zwischen den Verbänden ermöglicht eine effektive und fachlich kompetente Begleitung der Umsetzung der WRRL. Dieser Wunsch zur verstärkten Zusammenarbeit wird in Arbeitsgruppen bereits umgesetzt.
Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist seit dem 22. Dez. 2000 in Kraft. Sie schützt Oberflächengewässer , Grundwasser und Küstengewässer. Als Ziel soll bei den Oberflächengewässern bis Ende 2015 ein guter ökologischer und chemischer Zustand erreicht werden. Das Grundwasser soll einen guten chemischen und mengenmäßigen Zustand aufweisen. Messlatte für den ökologischen Zustand sind die Lebensgemeinschaften von Fischen, Wirbellosen, Algen und höheren Wasserpflanzen im Gewässer.
Derzeit hat ein ökologisch orientierter Gewässerschutz bei Bund, Land und Gemeinden als Träger der Unterhaltslast einen schweren Stand. Auch in der breiten Öffentlichkeit wird die ökologische Verbesserung der Gewässer nicht als vordringlich wahrgenommen. Interessengruppen aus Energie- und Landwirtschaft sehen die WRRL als Gefahr für ihr wirtschaftliches Handeln und versuchen die Umsetzung zu verzögern. „Gewässerrenaturierung“ findet nur noch als Ausgleichsmaßnahme für Eingriffe in Natur und Landschaft an anderer Stelle statt. Investitionen gibt es nur noch im Hochwasserschutz.
Für die Mitwirkung der Verbände bei der Beurteilung der Bestandsaufnahme der Gewässer sowie der Suche nach umsetzbaren und kostengünstigen Maßnahmen für das Erreichen der Ziele der WRRL werden die guten örtlichen Kenntnisse der Gewässer gebraucht.
Die Fristen der Wasserrahmenrichtlinie sind: bis Ende 2003 ist das nationale Recht der Richtlinie anzupassen, bis Ende 2004 ist eine Bestandsaufnahme zu erstellen und bis Ende 2006 ein Monitoring durchzuführen. Ende 2008 soll ein Entwurf des ersten Bewirtschaftungsplanes für die Flussgebiete vorliegen. Dieser enthält für alle Gewässer, welche die Ziele der Richtlinie nicht erreichen, Maßnahmenpläne. Bis 2012 ist die Phase der Umsetzung der Maßnahmen, 2015 sollen die Ziele erreicht sein.
Die WRRL sieht eine umfassende Information und Anhörung der Öffentlichkeit vor. Die Umweltverbände sind bei der Aufstellung der Bewirtschaftungspläne zu beteiligen. Eine ausführliche Darstellung der WRRL findet sich auf den Internet - Seite des LNV. (www.lnv-bw.de)
Gegenstand des eigentlichen Verwaltungshandelns zur Umsetzung der WRRL sind die „Wasserkörper.“ Hierbei handelt es sich bei uns um die großen Flussgebiete des Oberrhein, Neckar und Main. Durch eine weitere Unterteilung der Bearbeitungsgebiete in sogenannte Teilbearbeitungsgebiete kommen wir zu überschaubareren Einzugsgebieten. Im Zentrum unseres Verbandes in Südhessen sind es die Flüsse Gersprenz, Mümling, Modau und die Weschnitz mit ihren kleineren Zuflüssen.
Der Arbeitskreis Naturschutz hat zum Thema Gewässer vier Termine festgelegt. Beim Jahrestreffen der Naturschutzhelfer am 14. März 2009 in Eppertshausen stellen wir Beispiele der Umsetzung vor. Bei zwei Exkursionen lassen wir uns die Bestandsaufnahme erklären. Die erste am 29. März 2009 den Oberlauf der Gersprenz in Reichelsheim und die zweite am 8. November 2009 in Fürth den Oberlauf der Weschnitz.
Beim Kreiswandertag des Landkreises Darmstadt – Dieburg
am 30. August 2009 in Eppertshausen kommen wir zu umfangreichen Wasserbaumaßnahmen in den „Hergershäuser Wiesen“.
Gutes Beispiel sich um die Pflege eines Baches zu kümmern, liefern die Ortsgruppen Sprendlingen und Mörlenbach. Sie leisten umfangreiche Tätigkeiten bei der Gewässerpflege.
In der Praxis gesammeltes Wissen erleichtert die Beratung zur Maßnahmenplanung. Teilen Sie bitte dem Arbeitskreis Naturschutz des Odenwaldklubs ihre Erfahrungen mit. Leisten Sie einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in unserer Heimat. Geben Sie dem Arbeitskreis des Naturschutzverbandes das Wissen um Lebensräume und Arten weiter.
Manfred Hechler
Fachtagung Naturschutz 2009
Fachtagung zum Thema Wasser
Den Weg des Wassers vom Brunnen bis zum Wasserhahn aber auch von der Quelle bis ins Meer zeichneten am Samstag, den 14. März 2009, Referenten bei einer Fachtagung zum Thema "Wasser" auf Einladung des Haupt-Naturschutzwartes des Gesamt-Odenwaldklubs, Manfred Hechler (Eppertshausen), im Haus der Vereine nach. Und ebenfalls zum Programm gehörte eine Exkursion entlang des Langwiesenbaches, der in den neunziger Jahren streckenweise naturnah ausgebaut worden ist.
Eingeladen worden waren zur Fachtagung die Naturschutzwarte aus dem Ortsgruppen des Gesamt-Odenwaldklubs aus den Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern. Dazu auch Vorsitzende der OWK-Ortsgruppen sowie interessierte Naturschützer. Insgesamt hatten sich an die siebzig Zuhörer versammelt, die von Manfred Hechler und dann im Detail von den beiden Referenten in
das Thema des Tages "Wasser" eingeführt wurden.
Dr. Hans Georg Fritz, Planer des Büros Ökoplanung, der 1996 bereits für die Gemeinde Eppertshausen die Renaturierung des Langwiesenbaches vorgezeichnet hatte und der später bei der Exkursion über einige Kilometer durch das Gelände zwischen dem Bahnhof und der Kläranlage in Eppertshausen die Entwicklung entlang des kleinen Baches beobachten konnte, ging auf den ökologischen Zustandes der Oberflächengewässer ein. Und er sprach über Schutzgebiete für Gewässer, wobei die Landwirtschaft mitspielen muss.
Die Wasserrahmenrichtlinien innerhalb der europäischen Union vom vom Jahre 2000 schreiben vor, dass in "einem angemessenem Zeitraum" die natürliche Gewässer wieder in einen naturnahen Zustand zurückgeführt werden sollen. In der Diskussion bei der Fachtagung wurde dazu auch die vielleicht etwas provozierende Frage gestellt, ob sich da nicht die Flussbegradiger und Hochwasserschutz-Behörden und die Renaturierer auf Behörden-Ebene je nach Zeitgeist immer wieder wechselseitig Aufgaben und Investitionen zuschieben. Es gab ja schon Zeiten, wo zum Beispiel Gräben und Bäche begradigt worden sind, weil man damit sumpfiges Gelände entwässern oder für
Hochwasserschutz sorgen wollte. Und dann wurden durch Investitionen wieder Programme zur Renaturierung eingeleitet. Beispiele dafür sind innerhalb des Landkreises zu finden. So wurde in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zum Beispiel
die Gersprenz in ihrem mittleren Laufabschnitt zwischen Münster und Babenhausen streckenweise kanalartig vertieft und verbreitert und bei Hergershausen vor rund einem Jahrzehnt dann wieder renaturiert. Kein Zweifel: Die Renaturierung liegt derzeit im
Zeittrend. Und da muss die Landwirtschaft mitspielen. Es kann nicht hingenommen werden, dass Landwirte - wie in der Eppertshäuser Region geschehen - bis an einen Bachlauf heran ihre Maisfelder anlegen und selbstverständlich düngen. Das bekommt einem vorbeifließenden Bach gar nicht gut. Und da nutzt auch eine Renaturierung wenig, wenn kein "Schutzstreifen" beachtet wird.
Den zweiten Fachvortrag hielt mit Power-Point-Verfahren Ralf Picolin vom benachbarten Gruppenwasserwerk Hergershausen, der dort im Labor tätig ist und dabei ständig die Qualität des Trinkwassers im Auge hat. Das Gruppenwasserwerk Dieburg versorgt mehr als 120 000 Menschen in der Region mit Trinkwasser.
Aus 23 Tiefbrunnen wird das Wasser gefördert, dann im Wasserwerk im Waldgebiet zwischen Eppertshausen und Hergershausen aufbereitet und über ein 1000 Kilometer langes Rohrnetz in die einzelnen Haushalte gepumpt. Im Vortrag zeigte Picolin den Weg
vom Grundwasser über den Tiefbrunnen über die Aufbereitung bis zum Wasserhahn des Verbrauchers nach. Der Referent ging auf die geologischen Strukturen einer Landschaft ein, sprach über das Trinkwasser-Gewinnungs- und Wasserschutzgebiete. Die Botschaft des Fachmannes: "Wir haben hier qualitativ sehr gutes Wasser."
Und Manfred Hechler, der beim Eppertshäuser Odenwaldklub auch als Wanderführer tätig ist, sagte man wolle dem Wanderer nicht den Naturgenuss durch viele Vorschriften vermiesen. Aber es sei von Vorteil, wenn man über die Natur und ihre Gesetze Bescheid wisse und diese beachtete. Insofern sei dann die Fachtagung kein "Schlag ins Wasser" für die Naturschutzwarte gewesen.
Text: Michael Prasch
Fachtagung Naturschutz 2009
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Exkursion zu den Wacholderheiden um Hardheim
Entwicklung der Heckenlandschaft durch Pflegemaßnahmen.
Am Sonntag, den 31. August folgten 92 Naturfreunde aus ganz Nordbaden und Südhessen der Einladung zu einer naturkundlichen Exkursion. Schwerpunktthema war die Entwicklung der Heckenlandschaft der Wacholderheide um Hardheim. Kurt Horn, Naturschutzwart der Ortsgruppe Hardheim, begrüßte die Teilnehmer und stellte die 7 km lange Wanderung auf den Höhen rund um Hardheim vor. Manfred Hechler erklärte noch, wie wichtig die Pflege der Landschaft ist. Würden hier keine Maßnahmen durchgeführt, hätten wir nur Wald und Gebüsch. Seit über zehn Jahren ist die Naturschutzgruppe des Odenwaldklubs Hardheim bei den Pflegemaßnahmen aktiv im Einsatz.
Die fachliche Leitung der Exkursion übernahm Dipl. Ing. (FH) Landespflege Bernd Brunner. Er war von 1992 bis 1999 Mitarbeiter der Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg. Seit 1999 betreut er selbständig Landschaftspflegemaßnahmen in NSG und FFH- Gebieten der Bezirksstelle für Natur- und Landschaftsschutz (BNL) in Karlsruhe, die auch das Hardheimer Gebiet beinhalten.
An fünf Stationen gab es dann ausführliche Informationen zu dem Gebiet. Zwischen den einzelnen Stationen wurden die gefundenen Magerrasen- und Heckenpflanzen bestimmt und erklärt.
Die erste Station war am neuen Wasserbehälter des Wurmberges. Das Naturschutzgebiet „Wacholderheide Wurmberg und Brücklein“ wurde im Juli 1986 ausgewiesen. Mit einer Gesamtgröße von rund 51 ha ist es das größte zusammenhängende Wacholderheidengebiet des Neckar-Odenwaldkreises. Im Jahr 1991 wurde für dieses Gebiet ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt, aus dem sich zahlreiche Maßnahmen zum Erhalt der Pflanzen- und Tierarten ergaben. Viele dieser Negativzustände und Gefährdungen sind mittlerweile beseitigt.
Nach einem kleinen Abstecher zur Sternwarte führte die Exkursion in den Hohlwiesengraben und zum Steinbruch bei Bretzingen. Hier erfuhren wir, dass um 1800 in der Hohlwiese Wein angebaut wurde. Es gab in Hardheim 120 ha Rebland. 1914 war die Rebfläche auf 10 ha geschrumpft und später ganz aufgegeben. Es wurde auf Obstbaumwiesen umgestellt, teils sogar auf Gartennutzung und Schafbeweidung. Auf dieser Zeit gehen die noch vorhandenen Wacholderheideflächen zurück. Der Begriff „Magerrasenstandort“ bedeutet, es ist ein sehr magerer, flachgründiger, kalkiger Untergrund. Solche Flächen sind in Baden-Württemberg gesetzlich geschützt, auch außerhalb von NSG. Die Orchideenvielfalt und die hohe Anzahl schützenswerter Pflanzen- und Tierarten sowie ein enormer Reichtum an Insekten machen das Gebiet so wertvoll. 12 verschiedene Orchideen kommen im NSG vor. Auch für die Vogelwelt bietet das NSG ideale Bedingungen, Neuntöter und Dorngrasmücke haben hier ihren Lebensraum.
In früheren Zeiten wurde vor einem Wacholderstrauch der Hut gezogen, weil der Volksglaube besagte, Wacholder würde vor Hexen und bösen Geistern schützen. Wacholderheiden und Magerrasen, Hecken und Gebüsche sind Teil einer kleinbäuerlichen Kulturlandschaft, entstanden durch Nutzung oder Nutzungsaufgabe. Würde der Mensch diese Landschaft sich selbst überlassen, würde sie sich in ihren Urzustand zurückverwandeln, nämlich in Wald.
Weiter erläuterte Bernd Brunner die Bedeutung der Landschaftspflege für das Naturschutzgebiet mit seinen Biotopen. Will man die Artenvielfalt der kalkreichen Magerrasen erhalten, so muß man ständig eingreifen. Früher in Form von extensiver Bewirtschaftung, wie Mähen der Heuwiesen, Beweidung und Nutzung des Holzes zur Brennholz- und Reisiggewinnung, durch „auf den Stock“ setzen der Hecken. Ohne Pflege würden die Hecken überaltern, zu stark in die Höhe wachsen, im unteren Bereich verkahlen und schließlich auseinanderbrechen, die Lebensraumfunktion der Hecke verloren gehen. Daher ist regelmäßiges „Auf den Stock“ setzen als Pflegemaßnahme unerläßlich, wenn man artenreiche Heckenstrukturen erhalten will. Auch hier gilt: Kulturlandschaft braucht Pflege.
Die aktive Landschaftspflege in Form der „Bewirtschaftungssimulation“ betreibt die Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg. Seit 1991 in optimaler Zusammenarbeit mit dem OWK Hardheim. Weiter sind die Stadt mit ihren Forstamtsmitarbeitern, im Winter auch Landwirte und Mitarbeiter eines Maschinenringes bei der Pflege tätig. Bereits verbuschte und von Gehölzen
(oft auch Kiefern) überwachsene Heidereste werden wieder geöffnet und nachgepflegt. Im Juni werden Stockausschläge entfernt. Im Herbst findet auf der Fläche eine Gesamtmahd statt. Abschließend wird das Mähgut zusammengetragen und abtransportiert und zum Teil auch verbrannt.
Von unserer letzten Station haben wir noch einen Blick auf den Wurmberg. Dieser war bis zu seiner Erstpflege 2003/04 weitgehend stark verbuscht. Die Durchgängigkeit, auch für die Schafbeweidung war nicht mehr gegeben. Durch Erstpflegemaßnahmen und Aufräumarbeiten des OWK wurde die Beweidungsfähigkeit wieder hergestellt. Der Obstwiesencharakter im unteren Bereich blieb erhalten.
Beeindruckt von der Leistung der Naturschützer des OWK Hardheim und dem Fachreferenten Bernd Brunner dankte Manfred Hechler für die gelungene Exkursion zu unserem Jahresthema „Hecken in der Landschaft“.
Kurt Horn sagte: „Wenn ich gewußt hätte, wieviel Arbeit auf mich zukommt, hätte ich diese nicht angenommen. Wenn ich aber heute sehe, was wir erreicht haben, würde ich es wieder machen.“ Dieses in aller Ehrfurcht vor der Schöpfung gesagte Zitat soll Wanderfreunde anregen auch tätig zu werden.
Manfred Hechler
Wacholderheiden um Hardheim 2008
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Naturschutzwartetreffen 2008
Wanderer und Naturschutzwarte informieren sich beim Jahrestreffen
Hecken und Feldholzinseln, wichtige Rückzugsorte und Elemente der Kulturlandschaft
Mehr als 60 Wander- und Naturschutzfreunde konnte Manfred Hechler am 26. April 2008 in Eppertshausen im Haus der Vereine begrüßen. Unter den Interessierten waren unser Fachwart für Naturschutz beim Wanderverband Helmut Seitel, der Kreisbeigeordnete Christel Fleischmann, Bürgermeister Carsten Helfmann, der Vorsitzende der Gemeindevertretung Rainer Eder, Hauptwanderwart Manfried Hering und der Landesverbandsvorsitzende Hans Samberger.
Zur Einführung in die Thematik informierte Manfred Hechler warum Hecken für den Naturschutz besonders wertvoll sind. „Hecken, Raine, Feldgehölze und Streuobstwiesen prägen die Kulturlandschaft in Deutschland, machen diese nicht nur touristisch attraktiv, sondern auch ökologisch wertvoll. Diese Landschaftselemente sind für Erholungssuchende genauso wichtig wie für Pflanzen und Tiere. Sie vermindern die Bodenerosion, können das Mikroklima und den Wasserhaushalt verbessern oder den Puffer zwischen intensiv genutzten Feldern und angrenzenden Gewässern bilden“. Bedenklich ist jedoch die Entwicklung der letzten 30 Jahre, die aufzeigt, wie die Anzahl der Vogelarten in der Agrarlandschaft um 40 Prozent zurückgegangen ist.
Anschließend referierte Dr. Wolfgang Heimer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg, über die Artenvielfalt des Lebensraumes der Heckenlandschaften. Untermauert mit eindrucksvollen Bildern wurden die Bewohner der einzelnen Schichten in ihren unterschiedlichen Lebensräumen gezeigt. Die Bewohner wie Hase, Igel, Iltis, Rebhuhn, Neuntöter oder Dorngrasmücke und andere Arten haben ihren Platz zum Nisten und Schlafen, als Spähplatz und Rückzugsraum, aber auch als Nahrungsquelle sind Hecken, die „Stätte des Lebens“.
Aus Sicht eines Praktikers stellte Walter Scharmann vom Naturschutzzentrum Odenwald das zentrale Thema Hecken vor. Er erläuterte die unterschiedlichen Arten von einfachen Heckenstreifen, über den Knick und das Gebüsch, bis hin zum Gehölz und den Feldholzinseln. Als wichtigen Teil der Planung zum Anlegen von Hecken nannte er die Biotopvernetzung zum Artenaustausch. Einen hohen Stellenwert widmete der Referent den Pflegemaßnahmen, die schließlich zur Erhaltung und Verbesserung der Biotope dienen.
Nach den theoretischen Ausführungen machten sich die Tagungsteilnehmer auf den Weg in Richtung des Eppertshäuser Biotopes „In den Stöcken“. Hier gab Manfred Hechler Informationen zu den vor 15 Jahren gepflanzten Hecken. Gezeigt wurden die Pflegemaßnahmen, die im Januar stattfanden. Diese Pflege durch Rückschnitt auf den Stock, dient den unteren Schichten zur besseren Entwicklung. Gezeigt wurde ebenfalls, was sich so alles an Flora und Fauna im Laufe der Jahre angesiedelt hat, wie zum Beispiel die Wasserfläche mit dem Laubfroschvorkommen.
Mit dem Hinweis, dass weitere Exkursionen zum Thema stattfinden, konnten die Teilnehmer viele Anregungen für ihre Vereinsarbeit mit auf den Weg nach Hause nehmen.
Bericht:
Referent Naturschutz
Manfred Hechler
Naturschutzwartetreffen 2008
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Thema des Jahres 2008: Hecken
Die Entwicklung des ländlichen Raumes ist für die Naturschutzgruppen des Odenwaldklubs eine große Aufgabe. Der Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt ist neben dem Klimaschutz eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit. Haben wir uns im letzten Jahr mit der Erhaltung und Pflege von Streuobst beschäftigt, wollen wir dieses Jahr den Schwerpunkt auf Hecken legen.
Auch in Deutschland spielt die Biotopzerstörung eine zentrale Rolle beim Verlust der Biodiversität. Jeden Tag werden 117 Hektar freie Landschaften durch Zersiedlung und Versiegelung verbaut oder von Verkehrswegen zerschnitten. Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen ca. 11% der Landesfläche ein. Nur noch wenige zusammenhängende naturnahe Landschaften sind erhalten. Aus diesem Grund sterben auch viele Schmetterlinge, Vögel und Säugetiere aus.
Die Biodiversität ist ein Sammelbegriff für die biologische Vielfalt der verschiedenen Formen des Zusammenlebens in der belebten Natur. Lebensräume, Lebewesen und Lebensvorgänge sind in ihrer Vielfalt aufeinander abgestimmt. Wir verdanken einer intakten Natur sauberes Wasser, fruchtbare Böden, die Reinigung der Luft, die wir zum Atmen brauchen und die Bewahrung des Klimas. Es gilt die biologische Vielfalt zu erhalten.
Der Arbeitskreis Naturschutz beim Odenwaldklub will anhand von Beispielen aufzeigen, welchen Beitrag die Naturschutzgruppen leisten können. Schwerpunktmäßig wollen wir im Jahr 2008 uns mit Hecken beschäftigen. Wir Verstehen darunter alle Formen der Hecke, vom Gebüsch bis zur Feldholzinsel.
Entstehung der Hecken
Seit dem Äcker und Weiden begrenzt werden gibt es Hecken. Der Name Hecke kommt aus dem Begriff: Die Weide oder Acker ist um “hegt“. Ursprünglich wurden diese mit Sträuchern angelegt. In manchen Gegenden durften auch Bäume als Grenze aufkommen. Manche Hecken wurden waldartig genutzt, die Unterschicht als Stockausschlag und die Oberschicht als Hochstamm. Wurden in nassen Gebieten Koppeln angelegt, in dem Gräben ausgehoben wurden, entstanden an den Rändern Wälle. Diese wurden mit den nächstgelegenen Feldgehölzen bepflanzt und dabei ganz unbeabsichtigt die bodenständige Fauna und Flora übertragen. So entstanden die bekannten Wallhecken. Durch das Verflechten und Abknicken der Zweige wurden die Zäune noch dichter, es entstanden die „Knicks“.
Wurden die Hecken bis in die 50er Jahre als Brennholz genutzt, kam die Umstellung, weil Zeit und Arbeitskraft zum Abschlagen und Verbrennen zu knapp wurden. Es entwickelte sich eine prächtige Baumheckenlandschaft. Doch ganz bald mußte diese, den ökonomischen Überlegungen weichen. Flurbereinigungen machten den Maschineneinsatz für die Landwirtschaft leichter. Der ökologische Wert der Hecken wurde zurückgestellt.
Lebensraum Hecke
Als „Stätte des Lebens“ wird die Hecke zu recht bezeichnet. Hecken haben die höchste biologische Vielfalt auf kleinster Fläche. Der Artenreichtum entsteht durch die Bündelung verschiedenartiger Kleinlebensräume auf wenigen Metern. Als Grundausstattung einer guten Hecke haben wir den dicht verzweigten Innenraum des Gebüsches, das belaubte Dach, die seitlichen Rankenpflanzen und einen staudenreichen Unterwuchs der bis zum Kulturland reicht. Für die Tierwelt ist dieser Aufbau von größter Bedeutung. Ob als Nistplatz, als Schlafplatz oder Spähplatz, als Singwarte oder Rückzugsraum und nicht zu vergessen als Nahrungsquelle, die Hecke bietet für „fast jeden etwas“. Die Qualität des Lebensraumes wird von der Dichte, der Anordnung und der Verbindung zu anderen Biotopen bestimmt. Mit der Zusammensetzung der Gehölzarten und Flora lässt sich die Fauna gezielt entwickeln. Ob bestimmte Vogelarten, Niederwild, Schmetterlinge, Insekten, für alle ist Platz vorhanden. Erkennen läßt sich die Vielfalt, wenn im Winter Spuren sichtbar geworden sind.
Gefährdung und Verlust der Hecken
Mit der Umwandlung der Heckenlandschaft von Nutzfläche zum Pflegeübel begann der Streit, wieviel Fläche für die Natur gebraucht wird. Bei der Landnutzung werden immer größere Flächen zur wirtschaftlichen Nutzung gebraucht. Feldobst und Brennholz wird immer weniger gebraucht. Die Zeit für die Pflege der verbliebenen Randflächen wird immer weniger. Damit ist der beschriebene Zustand des Wandels von der Nutzfläche zum Pflegeübel begründet. Pflegeschnitte werden nicht mehr durchgeführt, Buschhecken wachsen, gehen in die Höhe und Breite, es entwickeln sich Baumreihen. Die nachteiligen Wirkungen auf die angrenzenden Kulturen steigt und damit der Ruf nach ihrer Beseitigung ertönt. Verstärkt wurde der Ruf, als festgestellt wurde, dass Überträger von Kulturpflanzenkrankheiten auch in Hecken entdeckt worden waren. Somit verschwanden immer mehr Hecken weil sie ihren ursprünglichen Zweck verloren hatten. Zieht sich der Ackerbau zurück, werden Hecken als Barrieren zwischen Acker und Weide überflüssig. Die besten Überlebenschancen haben Hecken auf natürlichen Böschungen und Kanten von Ackertertrassen. Der Verlust an Hecken ist in Schleswig-Holstein besonders hoch. Der Rückgang von 1950 bis heute beträgt ca. 60%. Heckenverluste bedeuten natürlich auch Artenverluste. Rechnet man auf 30 Meter Hecke ein brütendes Vogelpaar, so kommt es in Schleswig-Holstein, bei 25.000 Km entfernter Hecke, zu einem jährlichen Verlust von etwa 800.000 Vogelbruten. Verstärkt wird der Artenverlust noch, werden Hecken mit Pappelreihen verglichen, dann ist das Verhältnis 1 zu 15. Das bedeutet, daß Hecken von 60 – 80 Vogelpaaren je Kilometer bewohnt sind und Pappelreihen dagegen nur mit 4 Paaren je Kilometer. Fehlen einer Landschaft Lebensräume mit Heckenfunktion, so bedeutet der Heckenverlust auch ein Artenverlust für die ganze Landschaft.
Ersatz für Verluste, Neuanpflanzungen
Verlangt der Bodenschutz, weil Erosion den Acker gefährdet, die Anlage von Hecken, dann sind Heckenpflanzungen als Schutzmaßnahme gerne gesehen. Auch im Zuge von Flurbereinigungsverfahren lassen sich neue Hecken schaffen. Aber oft sieht es so aus, dass Großflächige ausgeräumte Landschaften nur „durchgrünt“ werden. Die Qualität der Maßnahmen wird durch den Umfang der Biotopvernetzung bestimmt. Werden zum Beispiel entlang einer Heckenneuanlage auch noch Randgräben eingeplant, schafft man neue Kleinbiotope, die den Biotopwert der Landschaft wesentlich verbessern. Hecken sind bei der Biotopvernetzung unentbehrlich. Sie dienen als „Adern“ des Lebensraumes die einzelne Biotope miteinander verbinden.
Das Schicksal der Hecken liegt in der Hand der Landbewirtschafter. Wenn sie erkennen, dass auch viele positive Auswirkungen gegeben sind, werden sie Hecken akzeptieren. Hecken sind keine Schutzgebiete, die von den Nutzflächen abgetrennt sind. Beispielhaft ist, dass die in den Hecken lebenden Tiere, weit in das Feld hinein wirken, in dem sie Schädlinge dezimieren oder durch das bestäuben der Pflanzen der Ertrag erhöhen und somit einen wertvollen Beitrag leisten. Nur akzeptierte Hecken haben Zukunftschancen! Verordnungen und biotopfreundliche Flurbereinigungen nutzen nichts, wenn der Landwirt Hecken als Bearbeitungshemmnis und Schädlingsquelle ansieht.
Dort wo noch Hecken oder Feldholzinseln vorhanden sind, kommt es immer wieder zum Konflikten, in dem die Möglichkeit genutzt wird, auf schleichendem Weg sie einzuengen und zu schädigen. Nagt der Pflug pro Jahr nur einen halben Meter, dauert es lange bis es gemerkt wird, und die Hecke ist bald verschwunden. Oft auch nur, weil gesetzlich Vorgegebene Grenzabstände nicht eingehalten werden.
Vorurteile der Landwirte könnten abgebaut werden, wenn schon bei der Ausbildung der Landwirtschaftlichen Berufe, die Dozenten gemeinsam mit Agrarökonomen und Biologen für einen Austausch der Argumente zum besseren Verstehen sorgen würden.
Was können wir tun?
Vieles wird schon getan, aber es Bedarf einem viel größeren Personenkreises der sich interessiert und auch zur Mitgestaltung bereit ist. Die Unsicherheit in vielen Dingen lässt uns passiv werden. Wir wollen mit unseren Bemühungen dafür sorgen, dass theoretische und gesetzliche Vorgaben vermittelt werden und technische sowie fachliche Erfahrungen weiter gegeben werden.
Planen wir die Anlage einer Hecke, ist als erstes die Besitzfrage zu stellen.
Ist es privates oder öffentliches Eigentum? Schließe ich einen Gestattungs-vertrag oder einen Erbpachtvertrag ab oder erwerbe ich das Grundstück? Gibt es Vorkaufsrechte? Ist der Eigentümer eine Kommune oder ein Landwirt? Alles Fragen die im Vorfeld geklärt werden müssen.
Haben wir eine Flächenauswahl getroffen, müssen wir zuerst einen Plan für das neu zu gestaltende Gebiet erstellen. Bei der Standortfrage ist festzustellen wie der Boden und das Klima ist. Daraus ist dann der Pflanzungsplan zu erstellen. Bei der Pflanzenauswahl ist einiges zu berücksichtigen. Der Grundstock sollte immer aus einer Baumschule des Vertrauens bezogen werden. Wichtig ist , dass keine standortfremden Gehölze gesetzt werden. Nach dem Motto: „Vielfalt schafft Vielfalt“ ist vieles möglich, aber selten realisierbar. Es besteht aber auch die Möglichkeit, wie bei der Benjes-Hecke, abzuwarten was sich von selbst einstellt. Voraussetzung dabei ist natürlich, dass sich in der Nähe „Artenvorratslager“ befinden. Dies kann auch ein geeigneter Waldrand sein.
Zu guter letzt müssen wir uns noch Gedanken vor Schäden machen. Ist genug Wasser vorhanden? Gibt es Wild, das Lust auf Rinde hat, oder gar auf die Wurzeln? Für alles gibt es Erfahrungswerte die es zu vermitteln gibt.
Auch nach Jahren gibt es durchzuführende Pflegemaßnahmen. Irgendwann ist dann auch noch ein Rückschnitt notwendig.
Der Odenwaldklub und seine Referenten wollen Wander- und Naturschutzfreunde ermutigen, bei nötigen und möglichen Strukturmaßnahmen, den Aufwand nicht zu scheuen und ihren Beitrag leisten.
Unser Beitrag soll zum Nachdenken anregen und belastende Vorgaben leichter angehen lassen. Wir wünschen ein gutes Gelingen der Umsetzung solcher Schutzmaßnahmen.
Exkursion mit Walter Scharmann am 22. Juni 2008
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Fachtagung Naturschutz beim Odenwaldklub 2007
Fachtagung Naturschutz beim OWK
am Samstag, den 21. April 2007 um 10.00 Uhr
Eppertshausen „Haus der Vereine" im Bahnhof.
Den Streuobstbau, das prägende Element in der Landschaft, wollten wir uns beim Treffen der Naturschutzhelfer näher ansehen. Als Naturschützer hatten wir die ökologische Bedeutung besonders beachtet.
„Lebensraum Obstwiese - Maßnahmen zur Erhaltung und Gestaltung."
Im Vortrag mit Lichtbildern zeigte uns Otto Diehl, bekanntester Naturschützer der Region, nach einem Rückblick auf die frühere Bedeutung und Nutzung der Obstbäume die Entwicklung zu den gravierenden Veränderungen nach dem Krieg ( nach 1945 ). Mit der Vernachlässigung der Bäume und den staatlich geförderten Rodungsmaßnahmen, schließlich zu einer neuen in-Wertsetzung der Obsthochstämme als Lieferant gesunden Obstes und der Rückbesinnung auf ein altes Kulturgut mit großer Bedeutung für den Natur- und Artenschutz. Allerdings betrachten wir auch die nach wie vor mangelhafte Pflege der Obstbäume.
„Mikrokosmos Apfelbaum"
Im Vortrag von Dirk Diehl wurde aus Sicht eines Zoologen die ökologische Bedeutung eines Apfelbaumes vermittelt. Wenn man Streuobstwiesen betrachtet, wird meist der einzelne Obstbaum vernachlässigt. Wer denkt schon an die vielen Kleintiere, für die der Apfelbaum möglicherweise eine Welt darstellt, die sie nie verlassen? Der Vortrag schärft den Blick für die Bedeutung eines einzelnen Obstbaumes als Lebensraum.
Fotos von der Fachtagung Naturschutz 2007
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Streuobst - Jahresprojekt 2007
Streuobstbau wird zum Jahresprojekt 2007 der
Naturschutzgruppen des Odenwaldklubs.
Die Entwicklung der Ortsränder, des ländliches Raumes, ist vor eine ernsthafte Herausforderung gestellt. Das prägende Element war und ist der Streuobstbau. Es droht ein bedeutsamer Verlust der kulturellen und landschaftlichen Eigenart, sowie der besonderen ökologischen Funktion mit den Folgen für unsere Lebensverhältnisse, wenn der Streuobstbau nicht gefördert wird. Gerade die Diskussion zur Naturschutzgesetzgebung im letzten Jahr hat gezeigt, das vielen nicht bewußt ist, welche Werte zu schützen sind. Der Odenwaldklub informiert seine Mitglieder rund um den Streuobstbau. Wir versuchen die Geschichte zu ergründen, die Entwicklung der Landschaft zu beschreiben, verschiedene Streuobstarten vorzustellen und auch Aussagen zur Pflege und Erhaltung zu machen. Aus naturschutzrechtlicher Sicht werden wir die ökologische Bedeutung des Streuobstbaues besonders beachten.
1.) Was ist Streuobst?
Unter Streuobst versteht man im Allgemeinen großwüchsige Bäume verschiedener Obstarten, die an Ortsrändern, auf Feldern, Wiesen und Weiden in unregelmäßigen Abständen „gestreut" stehen. Zum Streuobst werden aber auch Einzelbäume an Wegen, Straßen und Böschungen, sowie Baumgruppen mit regelmäßigen Pflanzabständen gezählt. Die typische Baumform des Streuobstbaumes ist der Hochstamm.
2.) Zur Geschichte des Streuobstbaumes im Odenwald
Urkundlichen Belege über den Obstbau im Odenwald in den ersten Jahrhunderten nach Christie besitzen wir nicht. Wir sind für diese Zeit, wie im Weinbau, auf Vermutungen angewiesen. Es darf aber doch mit Sicherheit angenommen werden, daß die Römer, innerhalb des durch den Limes geschützten Raumes, Obstgärten angelegt haben. So auch, auf einer Besitzung in Dreieichenhain, einer nördlichen Vorhöhe des Odenwaldes. Pflegestätten hatte der Obstbau auch sicher in den Klöstern zu Steinbach, Höchst und Mosbach. Der Baumgarten- odenwälderisch „Bangert" - gehörte von Anfang an zum Bauernhof, zur Hube. Seit dem 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. ein notwendiger Bestandteil der Odenwälder Bauernwirtschaft und bis heute oftmals noch an der selben Stelle anzutreffen.
3.) Streuobst in der Landschaft
Streuobst wurde überall angepflanzt, wo die Böden ausreichend nährstoffreich waren und das Gelände eine Anpflanzung erlaubte. Unser heutiges Obst hat auf verschiedene Weise seinen Weg in die Landschaft gefunden. Holunder, Wal- und Haselnuss kamen aus dem Wald in die Flur, ohne große Veränderungen bezüglich Fruchtform und Fruchtgröße durchzumachen. Der Holunder war traditionell als Obstgehölz und lebende Apotheke am Haus erwünscht. Alte Obstsorten wie Wildapfel, Wildbirne, Wildkirsche, Schlehe und Mehlbeere kommen als Waldrand- und Heckengehölze in unseren Fluren vor, haben aber ihren Status als Obst verloren. Diese Wildarten dienen aber seit Jahrhunderten der Bastardierung mit Edelobstsorten als Grundlage. Die Verbreitung der heutigen Kulturobstarten Apfel, Birne, Sauer- und Süßkirsche, Pflaume, Zwetsche, Pfirsich, Quitte, Aprikose und Edelkastanie begann unter der Herrschaft Roms. Die Römer kannten die Technik des Veredeins bereits und schafften damit die Grundlage der vielen Sorten. Der flächendeckende Streuobstbau verlangte hoch angesetzte Baumkronen, die eine Bewirtschaftung und die Durchfahrt vollbeladener Heuwagen zuließ. Der Hochstamm und die Kronenerziehung war die folgerichtige Entwicklung. Der Streuobstacker verliert heutzutage zunehmend an Fläche, da er der maschinellen Bewirtschaftung zum Hindernis wird. Zurückgedrängt wird der Streuobstbau aber auch durch die Siedlungsentwicklung, die sich immer mehr in der Landschaft ausbreitet.
4.) Ökologische Bedeutung des Streuobstbaues
Streuobstbestände gehören auf Grund ihrer Strukturvielfalt zu unseren wertvollsten Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Bis zu 5000 Arten können hier vorkommen. Vor allem die zum Kern- und Steinobst zählenden Obstarten werden von einer enormen Anzahl von Holz, Laub und Frucht fressenden sowie Nektar sammelnden Insekten und ihren Larven als Wirtspflanze genutzt. Das in älteren Obstgehölzen starke Auftreten von Totholz und damit verbunden von Hohlräumen und Baumhöhlen, führt, unter Mithilfe von Spechten, zu einem verstärkten Angebot von Nistgelegenheiten und Lebensräume für Höhlenbrüter und -bewohner. Hier seien die einst typischen und heutzutage selten gewordenen Arten Steinkauz, Wendehals, Gartenrotschwanz, Baumschläfer, Siebenschläfer, Haselmaus und Fledermäuse genannt. Auch die seltene Hornisse baut ihr Nest in größere Höhlen. Hinzu kommt, dass der, bedingt durch extensive Bewirtschaftung, meist sehr artenreiche Unterwuchs „Wiese" zur Vielfalt und Bereicherung des Lebensraumes beiträgt. Eine mit Weißdorn, Wildrosen, Hartriegel und anderen Wildgehölzen unterstellte Obstreihe, wie man sie oft an Rainen und Böschungen findet, istgleichzeitig auch Lebensraum für typische Heckenbewohner wie Dorngrasmücke und Neuntöter. Da der Saum meistens nicht gemäht wird, können dort als weitere Nahrungsquelle für Tiere Samen und Früchte heranreifen. Die ungemähte Krautschicht bietet darüber hinaus Unterschlupf für Tierarten wie Igel, Spitzmaus und Hermelin. Als zusätzliche Struktur kommen hier Trockenmauern mit ihren speziellen Tier- und Pflanzenarten vor. Streuobstflächen verbinden die unterschiedlichsten Lebensräume miteinander und sind somit wichtiger Bestandteil des Biotopverbundsystems. Die Obstbaumbestände liefern als Windbremse und Schattenspender einen Beitrag zum Klimaausgleich. Im Hangbereich leistet der Streuobstbau als Bodenfestigerwie keine andere Kulturform seine Dienste zur Vermeidung von Bodenerosion.
5.) Bedeutung für das Landschaftsbild
Die Obstbaumbestände sind lebende Zeugnisse traditioneller ländlicher Lebensformen. Seit Jahrhunderten prägen Streuobstflächen entscheidend das Landschaftsbild und haben damit sehr wichtige gestalterische Funktionen im
Ortsbereich und in der Landschaft übernommen. Streuobstflächen sind Bestandteil der unmittelbaren Erlebniswelt und dienensomit auch der Erholung und der Stärkung des Heimatgefühls.
6.) Wirtschaftliche Bedeutung
Die wirtschaftliche Bedeutung des Streuobstbaus hat im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft stark abgenommen. Das Marktobst wird heute fast ausschließlich in Spindelbusch- und Niederstammkultur produziert.
Die Neuanlage, Erhaltung und Pflege von Steuobstbeständen werden, durch staatliche Programme zur Erhaltung der Kulturlandschaft, gefördert. Im Rahmen von Dorferneuerung und Flumeuordnung werden ebenso Einzelmaßnahmen
gefördert.
Landschaftspflege in der Kulturlandschaft
Exkursion des Odenwaldklubs in den Landkreis Miltenberg
Über dreißig Wanderfreunde, die im Naturschutz aktiv sind, waren am 10. September 2006 Gast beim Landschaftspflegeverband des Landkreises Miltenberg. Geschäftsführer Siegmar Hartlaub führte die Naturschützer zu drei Projekten der „Landschaftspflege mit Vierbeinern“. Weil die Teilnehmer aus drei verschiedenen Bundesländern kamen, mußte zu Beginn der Exkursion die Zuständigkeit der Organisation für die Landschaftspflege angesprochen werden. In Bayern ist die Abteilung Landschaftspflege bei der Unteren Naturschutzbehörde angesiedelt. Um eine naturverträgliche Pflege und Entwicklung der Landschaft zu erreichen, sitzen Landwirte, Kommunen, Naturschutzverbände und Behörden an einem Tisch. Dabei wird das wichtige Ziel des Naturschutzes, die Erhaltung der heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume, geplant.
Im Südspessart und dem bayrischen Teil des Odenwaldes gibt es viele landwirtschaftliche Grenzertragsstandorte, das heißt Flächen auf denen sich die Landwirtschaft zurückzieht. Diese Bereiche sind aufgrund ihrer schlechten Böden und kleinen Schlaggrößen nur eingeschränkt für den Ackerbau nutzbar. Betroffen von dieser Entwicklung sind die Flächen, die für das Landschaftsbild und den Artenschutz besonders wertvoll sind, wie z.B. alte terrassierte Weinbergslagen, besonders steile Hanglagen, Feucht- und Nasswiesen sowie extrem nährstoffarme Magerhänge.
Weilbach an der Mud war der erste Treffpunkt der Exkursion. Hier hat vor ca. 15 Jahren der Pflegeverband sein Pilotprojekt gestartet. Der Weilbachkopf ist ein Stück Kulturlandschaft, das im Wandel der Zeit viele Veränderungen mitgemacht hat. Schon im Mittelalter wurde die Kuppe gerodet und als Weinberg genutzt. Um 1900 wurden die Terrassen für den Obstanbau, als Gemüsegarten oder als Kartoffelacker genutzt. Ende des letzten Jahrhunderts gaben immer mehr Eigentümer die Bewirtschaftung auf, der Wald machte sich wieder breit. Hier begann es, für den Biologen und Geschäftsführer Siegmar Hartlaub, dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Mit dem Schäfer Klaus Kobold fand er einen geeigneten Verbündeten, der die naturschutzfachlichen Zielvorstellungen umsetzte. Mit einem Drittel seiner 300 Schafe zieht Klaus Kobold in rotierender Koppelhaltung über den noch offenen Teil des Hanges, um der Verbuschung Einhalt zu bieten. Daß sich die Bemühungen lohnen, konnten die Teilnehmer vor Ort feststellen. Neben der herrlichen Aussicht auf das Mudtal war der Artenreichtum von Flora und Fauna auffällig.
Nach zwei Stunden ging es weiter zum nächsten Treffpunkt der Exkursion.
Der Hochberg bei Dorfprozelten bot ein weiteres Beispiel der Landschaftspflege mit Vierbeinern. Der Einsatz von Zebus, eine exotischen Rinderrasse, wurde hier vorgestellt.
Zuerst wurden die Naturschützer an der alten Obsthalle mit einem kleinen Imbiß überrascht, den Jürgen Elter mit seiner Familie zubereitete. Neben selbst gepreßtem Apfelsaft gab es noch Salami vom Zebu zu kosten. An einer Bretterwand hatte Jürgen Elter eine Bilderserie, die seine Arbeit aufzeigt, angebracht. Wie es dazu kam, daß heute Zwergzebus im Südspessart grasen, wurde eindrucksvoll erklärt. Ein exotisches Bild, das sich hoffentlich weiter verbreitet. Vorfahren der Deutschen Zwergzebus sind Kaukasische und Ceylonesische Zeburinder. Ausgehend von Baden-Württemberg hat der Bestand seit Anfang der 90-iger Jahre stetig zugenommen. Die Beweidung von Streuobstwiesen und Magerrasen mit Zebus ist in Deutschland eine noch recht junge Nutzungsform. Mehrjährige Versuche in Baden-Württemberg zeigen die besondere Eignung der Zebus bei der Wiederherstellung und Nutzung offener Landschaften. Der Vorteil des geringen Gewichtes der Zebus ist, es entstehen weniger Trittschäden bei nassen Flächen. Beim Fressen dringen die Tiere in das Innere von Gebüschen vor und lichten diese von innen her auf. Spätere Entbuschungsmaßnahmen werden deshalb wesentlich erleichtert.
Anschließend besuchten wir den Einsatz vor Ort. Hier wurde die Herde erst am Vorabend eingesetzt. Auf der nassen Hangwiese stehen die Zebus bis zum Hals im Gebüsch um dieses abzufressen. Unterstützt von ein paar Ziegen sorgen sie für die Offenhaltung der Landschaft.
Weiter ging die Exkursion mit einem kurzen Besuch der Ruine Henneburg. Die wunderbare Landschaft des Maintales konnte vom Turm aus betrachtet werden.
Als letztes Ziel wurde der Schafhof vom Schäfer Klaus Kobold angesteuert. Das Anwesen am Ortsrand von Kirchzell dient im Winter als Unterstand und es werden Futter und die Gerätschaften gelagert.
Auch hier hatte sich die ganze Familie eingefunden um die Naturschützer zu verköstigen. Die Bratwurst vom Merino – Schaf war ein besonderer Leckerbissen. Artgerechte Haltung und die natürliche Futtergrundlage ergeben ein aromatisches Fleisch.
Nach dem die vielen Fragen der Teilnehmer von den drei Fachleuten soweit wie möglich beantwortet waren, bedankte sich Manfred Hechler für die Einladung beim Landschaftspflegeverband Miltenberg und übergab Buchgeschenke vom nördlichen Odenwald als kleines „Danke schön“ an die Referenten Siegmar Hartlaub, Jürgen Elter und Klaus Kobold.
Beeindruckt von den Landschaftspflegemaßnahmen machten sich die Teilnehmer nach sieben Stunden Exkursion auf den Heimweg, einig darin, daß es sich lohnt etwas für eine abwechslungsreiche Landschaft zu tun.
Manfred Hechler
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Fachtagung Naturschutz am 20. Mai 2006
Landschaftsbild aus Sicht des Naturschutzes
Fachtagung Naturschutz in Eppertshausen zum Thema Landschaft
Zentrales Thema der Fachtagung des Odenwaldklubs, am Samstag den 20. Mai 2006, waren Landschaft, der Landschaftsverbrauch und die Zerstörung des Landschaftsbildes.
Hierzu zeigten Dr. Heiner Grub vom Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg, Helmut Seitel vom OWK-Vorstand und Fachwart für Naturschutz beim Deutschen Wanderverband sowie Hauptnaturschutzwart Manfred Hechler die Problematik anhand von kurzen Filmen und Erklärungen.
Unter den über 60 Naturschutzwarten und Vorständen begrüßte Manfred Hechler auch Kommunalpolitiker und befreundete Naturschützer anderer Verbände.
In seiner kurzen Einführungsrede wurden die Teilnehmer sensibilisiert. „Die Landschaft, in der wir Leben, soll ein gesundes Leben ermöglichen.“ Naturschutz ist Umweltschutz, um auch in Zukunft sich in der Natur wohl zu fühlen bedarf es der Einsicht, „die Landschaft nicht verkommen zu lassen“.
Wir wollen Beispiele aufzeigen wie immer mehr Landschaft zerstört wird.
„Die Bewahrung des Landschaftsbildes ist für die Erholung der Bevölkerung von großer Bedeutung. Landschaftserleben ist Indikator für Harmonie und Zufriedenheit“ wurde von Wissenschaftlern festgestellt.
Dr. Heiner Grub präsentierte den Wanderfreunden und Naturschützern den Dokumentarfilm „Ende im Gelände“. Der Steifen verdeutlichte originell und eindrucksvoll das Problem des Flächenverbrauches. Beispiele zeigten die Auswirkungen auf Natur und Lebensqualität. Allein in Europa hat der bebaute Raum in den letzten 20 Jahren um 20 Prozent zugenommen, wobei viele Landschaften zerstört wurden, während die Bevölkerung gerade mal um 6 Prozent wuchs. Die demographische Entwicklung zeigt ein Rückgang der Bevölkerung an. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter. Um Lösungen zu finden, wie der „Flächenverbrauch“ reduziert werden kann, wurden Beispiele aufgezeigt. Als Ausgangssituation wurden in Deutschland im Jahr 2000 noch täglich 129 ha für Siedlungs- und Verkehrsflächen in Anspruch genommen. Im Jahr 2002 waren es noch 105 ha Flächeninanspruchnahme täglich. Hierbei wird angenommen, daß die o. g. Verminderung keine tendenzielle Veränderung ist, sondern vor allem konjunkturelle Ursachen hat.
Die Politik hat für den Zeitraum bis zum Jahre 2020 eine Verminderung der täglichen Inanspruchnahme auf maximal 30 ha als strategisches Ziel verabschiedet. Um nachhaltig dieses Ziel zu erreichen muß in Zukunft ein Flächenmanagement gefördert werden. Wie ein solcher Flächenpool aussehen könnte, wurde im Film „Ende im Gelände“ aufgezeigt. Bei der Umsetzung dieser Entwicklungskonzepte sind die Bürger, die Verbände und Gemeinden gefragt regional zusammenzuarbeiten. Ein großer Schritt den Flächenverbrauch zu reduzieren wäre, den Leerstand bei Wohn- und Gewerberäumen in der Ortslage durch Umnutzung der Bausubstanz zu beseitigen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und zur Mitarbeit zu motivieren.
In einer anschließenden Diskussion gab Dr. Heiner Grub Antworten auf Fragen und Bedenken der Teilnehmer zu den künftigen Herausforderungen der Landentwicklung.
Nach einer kurzen Kaffeepause wanden wir uns dem Thema Energieverbrauch und Landschaftsbild zu. Die Öl- und Gasressourcen schwinden, das globale Klima gerät aus dem Gleichgewicht. In ungefähr 125 Jahren, so alt wie unser Verein ist, hat sich der Energieverbrauch global verfünfundzwanzigfacht. Das heißt, was im Jahr 2004 verbraucht wurde, hat im Jahr 1889 für 25 Jahre gereicht.
Helmut Seitel stellte das zentrale Thema „Landschaft“ aus Sicht unseres Verbandes vor. Wenn sich das Bild der Landschaft erheblich und nachhaltig wandelt, sind die Wandervereine gefragt, um ihre Kompetenz in die Diskussion einzubringen. Windkraftanlagen bieten beim Landschaftsbild ein „weitreichendes“ Beispiel des Verlustes der ursprünglichen Kulturlandschaft. Hierzu zeigte Manfred Hechler den 30-minütigen Informationsfilm des Eifelvereins: „Auswirkungen von Windenergieanlagen auf das Landschaftsbild der Eifel“. Hier wurde gezeigt, was heimatverbundene Wanderfreunde empfinden, wenn rotierende Giganten in die dörfliche Beschaulichkeit des Mittelgebirges Eifel gestellt werden.
Für Helmut Seitel Grund zu einer Diskussion aufzurufen. Hierbei ist die Nutzung erneuerbarer Energien wie Wind-, Solar- und Wasserkraft, ebenso die der Biomasse, kritisch zu diskutieren.
Da es keine Alternative zur verstärkten Nutzung der erneuerbaren Energien gibt, sollten wir nach Lösungsansätzen zwischen Gewinnung von Energien, Naturschutz und Landschaftsästhetik suchen. Um ein gemeinsames Maßnahmenkonzept für eine reduzierte Flächeninanspruchnahme zu entwickeln, sind zunächst Bund, Länder und Kommunen gefordert. Aber Entscheidungen fallen letztendlich vor Ort in den Städten und Gemeinden. Gerade hier müssen die Wandervereine in ihrer Funktion als anerkannte Naturschutzverbände ansetzen und mit ihrer intensiven Kenntnis von Landschaft und Heimat Flächenverbrauch und Störung des Landschaftsbildes verhindern oder reduzieren.
Qualität und Quantität von Flächeninanspruchnahme müssen die natürlichen Ressourcen ebenso berücksichtigen wie Erholung und Landschaftsbild. Zum Schutz und zur Pflege von Natur und Heimat sollten Planungen den Kriterien einer umfassenden Nachhaltigkeit genügen. Eine Beteiligung der Wandervereine vor Ort – schon bei den ersten Planungen zu Eingriffen in Natur und Landschaft und nicht erst in den Genehmigungsverfahren - muß von uns gefordert werden. Planungen dürfen nur mit den Wandervereinen und ihrer Kompetenz in Sachen „Landschaft“ formuliert werden.
Anschließend dankte Manfred Hechler beiden Fachreferenten, die in ihren Verbänden über eine Million Mitglieder vertreten, für ihre eindringlichen Beiträge. Jetzt sind die Teilnehmer der Veranstaltung als Multiplikatoren gefragt um weitere Mitglieder zu sensibilisieren.
Ebenso gilt der Dank der Gemeinde Eppertshausen für die kostenlose Bereitstellung der Tagungsstätte und den Frauen der Eppertshäuser Naturschutzgruppe für die Bedienung der Gäste.
Nach dem Imbiß zum Mittag wurde noch eine Exkursion an die Gersprenz angeboten.
Hans Ulrich vom NABU Münster zeigte Erfolge der Naturschutzarbeit im Bereich der Gersprenzaue. Beginnend vom wieder zurückgekehrten Weißstorch, der gerade dabei ist zwei Jungvögel aufzuziehen, bis zur Wasserschöpfanlage zur Bewässerung der Wiesen, konnte Hans Ulrich den Teilnehmern zeigen, daß sich Naturschutzarbeit lohnt.
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