Arbeitskreis Naturschutz - Sitzung am 7. März 2010
Einladung zur Sitzung des AK-Naturschutz
An die Mitglieder des AK-Naturschutz
Liebe Wanderfreundinnen und Wanderfreunde,
zum nächsten Treffen des AK-Naturschutz lade ich sehr herzlich ein:
Sonntag, den 7. März 2010 um 14.00 Uhr
Fürth - Weschnitz, Forsthaus „Almen“ P -Friedhof Weschnitz
Tagesordnungspunkte
1.) Bericht des Fachwartes Tätigkeiten 2009 / Landesverbände
2.) Projekt des Jahres Trockenmauer
3.) Naturschutzwartetreffen 2010 Programm / Referenten
4.) Exkursionen Fürth und Groß Umstadt
5.) Verschiedenes
Die Sitzung findet im Anschluß zur Exkursion mit Jens Uwe Eder statt.( Forst, Waldbau und Naturschutz )
Ich würde mich über ein zahlreiches Erscheinen sehr freuen und wünsche eine gute Anfahrt.
Bitte Vorschläge zu den einzelnen TOP mitbringen.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Hechler
Hier die Einladung noch einmal als PDF-Datei
ak-naturschutz-1-2010.pdf [91 KB]
Bienenhotel
Seit im Jahre 1994 in Rio der Weltklimagipfel stattfand sind bisher über 60 Tausend Arten aus dem immer ärmer werdenden Artenspektrum der Tier- und Pflanzenwelt unwiederbringlich verschwunden.
Es ist das Geschehen im Versteckten, was uns so arglos macht, Unbedachtheit aber auch das Festhalten an Bequemlichkeit und Standards, die unserer Umwelt – und nicht zuletzt eigentlich uns – nicht zuträglich sind. Wir nehmen wahr, dass Rotenlisten immer größer werden und können auch feststellen, dass der auffällige Spatz immer seltener wird. Was aber ist mit den Pflanzen und Tieren, von denen der Mensch nicht so viel wahrnimmt oder die ihm nicht so wichtig sind, weil der Nutzen zu gering ist? „Wenn ich es nicht kenne, kann es auch nicht so wichtig sein und wenn es beim Saubermachen stört, dann kann es auch weg.“ Durch Unterlassung ( z.B. von allzu viel Ordnung ) und durch Schaffung kleinster Biotope können wir dem letzten Bisschen noch helfen. Das ist für Naturschützer wie sie im OWK zu finden sind, Grund genug über andere Biotope im Ort nachzudenken. Im Wald gibt es wieder genug Totholz, um nicht dort helfen zu müssen. In unseren Wohnorten fehlt es da eher: „Was nichts taugt, kommt weg. Und wenn es Nutzholz ist, wird es zu seinem Schutz angestrichen.“
Der OWK fordert von seinen Ortsgruppen für den Naturschutz im Kleinen eine überdachte Holzwand mit unterschiedlichen Materialien, die wärmespeichernde Wirkung haben.
Solitärbienen sind unscheinbar, nicht auffällig groß, einzeln lebend und stechen nicht mal. Diese Unauffälligkeit bringt sie an den Rand der Bedeutungslosigkeit. Zur Entwicklung ihrer Brut ( d.h. Eier aus denen sich Larven und später fertige Insekten ( Imagos ) bilden ) benötigen sie sehr viel Wärme und die richtige Trockenheit. Es muss so trocken sein, dass kein Schimmelpilz durch Atmung entsteht, darf aber nicht so trocken sein, dass das zu schützende Tier austrocknet. Diese Kriterien erfüllen Naturstoffe wie Holz oder Erde also Lehm oder Ton mit Stroh. Hierbei geht die Natur - in diesem Fall die Solitärbiene – sehr großzügig mit Platz aber sparsam mit Energie um. Die Gänge, die natürlicherweise durch Trocknung oder Käferfraß entstehen oder vom Mensch durch Bohrung angeboten werden, sind nur brauchbar, wenn genug Mauer um die Bohrung stehen bleibt. Anders als die Honigbiene ist sie viel mehr auf Sonnenenergie angewiesen, weil sie wie der Name schon sagt solitär lebt und keine Wärme durch Körpertemperatur zugeben kann. Ein Massivkörper wie ein Eichenklotz gibt Wärme gleichmäßig ab, wenn die Sonne schon lange nicht mehr scheint und hat sich vorher sehr zögerlich erwärmt, als die Sonne all ihre Kraft auf den Klotz bündelte. Ähnlich ausgeglichen ist es in einer Höhle, wo es nie friert aber auch keine Hitze gibt.
Die Solitärbienen, von denen es einige Hundert Arten gibt, hat sich eine Strategie entwickelt, die ihr gewährleistet, dass die Brut vor Feinden wie Vögeln, vor Hitze, vor Regen und vor Kälte geschützt ist und gleichzeitig eine klima- und somit entwicklungsstörende Fütterung vermeiden kann. Dieses Problem umgeht sie, in dem sie bei der Eiablage schon das Futter für die Larven einlagert. Es gibt sogar Käfer, die in diesen Bohrlöchern Pilzzucht betreiben, um versteckt fressen zu können. Auf gleichem Raum würden Honigbienen die tausendfache Kopfzahl durchbringen. Dies ist sicher Platz sparend aber energieaufwändig, weil diese vielen Bienen die Temperatur für die Entwicklung ihrer Brut ( 40O C ) mit Körperwärme herstellen müssen. Hier gilt es nun den Schimmel zu bekämpfen, den die vielen Atmer produzieren und die vielen Mäuler zu stopfen: ein ganz anderes Konzept.
Von der Honigbiene gibt es Bücher, die ganze Bibliotheken füllen, von Außenseitern eher nicht. Die Honigbiene ist ausschlaggebend für den Erfolg unserer Ernte, bestäubt aber auch die vielen Wildkräuter und Rotelistearten. Ihren Nutzen kennen wir schon über Achttausend Jahre. Zu vermuten ist aber, dass andere Insekten das Gleiche können, auch wenn sie weniger erscheinen. Auf der Erde leben über sechs Milliarden Menschen, die genauso viel wiegen wie alle Insekten zusammen. Vermutlich werden das aber nicht alles Honigbienen sein!
Deshalb verstehe ich dies auch als eine kleine Chance, den naturverliebten aber entwöhnten Menschen wieder zum Naturverständnis zu bringen – das aber nicht mit Tiersendungen im TV.
Es ist doch eine interessante Frage, die sich aus dem Beobachten einer solchen Naturstoffwand für den Biologieunterricht ergibt: Wie macht es die Natur, dass der Erstgeborene in dem Larvengang der Solitärbienen als letzter schlüpft, um seine Geschwister in ihrer Entwicklung nicht zu stören?
Es zeigt aber auch vor unserer Tür auf, wo und wie überall leben stattfindet. Das würde Türen öffnen für unser Biotop Garten, was ohne unsere Steuerung viel besser funktioniert als wenn wir unserem Ordnungsgeist huldigen.
Wussten Sie, dass die Entnahme der viermal im Jahr überall Schmutz verbreitenden Birke zur Folge hat, dass vierzig Tierarten darunter leiden müssen.
Dieser kleine Zoo aus Überresten der Natur sieht wunderschön aus, hilft der Natur, aber auch uns, wieder am Verständnis für Natur zu arbeiten.
Dass die Wand von Tieren angenommen wurde, erkennt man daran, dass die angebotene Bohrungen mit anderen (meist Holz-Erde-Speichelgemisch) Materialien verstopft wurde. Nach geraumer Zeit ist dieser Pfropf wieder aufgebohrt und verrät, dass die Jugend der Solitärbiene erwachsen geworden ist. Die neuen Bohrlocher haben einen viel kleineren Durchmesser und der Verursacher sitzt meistens noch stundenlang auf der Wand, um sich seine Flügel aushärten zu lassen. Nun kann man beobachten, dass es keine Brunft- oder Paarungszeiten gibt, sondern man vernimmt ein Kommen und Gehen solange die Wärme im Jahresverlauf ausreicht.
Bericht von Jens-Uwe Eder, Förster aus Fürth i.Odw.,
für den AK- Naturschutz
Der Landschaftsplan auf kommunaler Ebene – ein Handlungskonzept
zur nachhaltigen Entwicklung von Natur und Landschaft
Ulrike Licht, Planungsteam Hösel-Richter-Siebert, Darmstadt
Saubere Luft.
Klare Bäche und Seen.
Naturnahe endlose Wälder.
Abgeschiedenheit und Stille.
Reizvolle Kulturlandschaften.
Störungsarme Erholungsräume.
Die Menschen der Ballungsräume Rhein-Main und Rhein-Neckar haben in ihrem näheren Umfeld kaum mehr die Möglichkeit, sich ihren Wunsch nach stiller Erholung in unberührter Natur zu erfüllen. Allzu raumgreifend sind die vielfältigen Nutzungen und die von ihnen ausgehenden Störungen, als dass man sich an einen Ort der Stille zurückziehen könnte.
In den benachbarten Mittelgebirgen besteht die Problematik - neben einer zunehmenden Urbanisierung ehemals ländlicher Siedlungen – vor allem in der Pflege und Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaften. Da die Landwirtschaft hier oft nicht mehr konkurrenzfähig ist, fallen Flächen brach, verbuschen reizvolle Bachtäler, droht die Landschaft ihren vom Menschen geprägten Charakter zu verlieren.
Welchen Beitrag kann nun die Landschaftsplanung zur Kompensation dieser fortschreitenden Entwicklungen leisten?
Nach dem Hessischen Naturschutzgesetz sind im kommunalen Landschaftsplan die örtlichen Erfordernisse und Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege für Wälder, Offenland und Siedlungen darzustellen. Der aktuelle Zustand wird dargestellt und bewertet. Es werden Leitbilder für die weitere Entwicklung formuliert und Handlungsempfehlungen für deren Verwirklichung erarbeitet.
Gegenstand der Betrachtung sind dabei die Schutzgüter Boden, Klima, Wasser, Arten und Lebensgemeinschaften sowie deren Lebensräume, Landschaftsbild und Erholung.
Ziel der Handlungsempfehlungen ist nach Bundesnaturschutzgesetz: Natur und Landschaft auf Grund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlagen des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, zu pflegen, zu entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen, dass
die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes,
die Regenerationsfähigkeit und nachhaltige Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
die Tier- und Pflanzenwelt einschließlich ihrer Lebensstätten und Lebensräume sowie
die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft
auf Dauer gesichert sind.
Für die stark anthropogen überprägten Ballungsräume mit ihren z.T. schädigenden Umweltbedingungen und sich ständig verringernden Freiflächenanteilen müssen die Handlungsempfehlungen der Landschaftspläne vor allem auf die folgenden Themenkomplexe abzielen: Maßnahmen zur Minderung bestehender Belastungen sowie Sicherung und Entwicklung bisher unbebauter Freiflächen als Lebensräume für gebietstypische Lebensgemeinschaften sowie als attraktive Erholungsräume für den Menschen.
In den Mittelgebirgsregionen muss die dauerhafte Erhaltung und Pflege der traditionellen Kulturlandschaften im Vordergrund der Bemühungen stehen, um diese für Flora und Fauna sowie als Gebiete für die stille Erholung nachhaltig zu sichern.
Um die genannten Ziele erreichen zu können, sind sowohl die betroffenen Kommunen und ihre Bürger wie auch die zuständigen Fachbehörden gefordert. Besondere Bedeutung kommt dabei einer verantwortungsbewussten Flächennutzungsplanung zu,
da die Städte und Gemeinden über dieses Planungsinstrument wesentliche Inhalte der weiteren Entwicklung rechtsverbindlich festsetzen. Die Handlungsempfehlungen aus der Landschaftsplanung sollten hier deshalb soweit wie möglich einfließen.
Die Pflege und Entwicklung von Lebens- und Erholungsräumen, die im Wesentlichen von der Landwirtschaft geleistet wurde und wird, kann in den meisten Fällen nur durch die Bereitstellung finanzieller Mittel sichergestellt werden. So zum Beispiel durch Fördermittel aus dem Hessischen Landschaftspflegeprogramm (HELP), die vorrangig für im Landschaftsplan ausgewiesene Biotopverbundflächen eingesetzt werden.
Aber auch die Bürger der Städte und Gemeinden haben Möglichkeiten zur Mitsprache und Mitarbeit. Dies nicht nur über die Beteiligung bei der Aufstellung von Landschafts- und Flächennutzungsplänen, sondern zum Beispiel auch über die Arbeitskreise der kommunalen Agenda 21, die sich mit den aktuellen Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes aktiv auseinandersetzen sollten, um örtlich realisierbare Problemlösungen zu ermitteln.
Eine ganz erhebliche Bedeutung kommt darüber hinaus den örtlichen und regionalen Naturschutzgruppen und –verbänden zu, die oft bereits seit Jahrzehnten wertvolle Naturschutzarbeit und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung von Lebens- und Erholungsräumen leisten.
Abschließend sei hier deshalb, als Fazit sozusagen, festgehalten: Es kann nicht ausreichen, einen Landschaftsplan aufzustellen, ohne dessen Aussagen auch wirklich ernst zu nehmen. Nur durch eine konsequente Umsetzung der formulierten Handlungsempfehlungen sowie eine umfassende Integration in den Flächennutzungsplan kann eine nachhaltige Erhaltung und Entwicklung von Natur und Landschaft als wesentliche Lebensgrundlage des Menschen sichergestellt werden.
